Live-Konferenz unter Corona-Bedingungen

Zugegeben: auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass sich ausgerechnet die Gesellschaft der Medien in den Wissenschaften dazu entschied, die Jahrestagung 2020 mitten in der Corona-Pandemie vor Ort an der ZHAW durchzuführen. Aber die Veranstalter wollten bewusst ein Zeichen setzen.

In den vergangenen Monaten wurden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder virtuell durchgeführt. Das Interesse an digitalem Lernen, Lehren und Arbeiten ist – befeuert durch das Coronavirus – gerade enorm.
„Unser Berufsalltag hat sich schlagartig geändert. Er findet fast ausschliesslich online statt. Manchmal springen wir von einer Video-Konferenz direkt zur nächsten.“ Darunter leide insbesondere das Networking, analysiert Prof. Dr. Claude Müller aus der Tagungsorganisation. „Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Kolleg*Innen schon etwas online müde geworden sind und die Möglichkeit, sich mal wieder persönlich auszutauschen, zu schätzen wissen.“ erklärt der Leiter des Zentrums für Innovative Didaktik den Entscheid für eine Durchführung der Vor-Ort-Konferenz. Denn Anlass zu Diskussion und Reflexion gibt es derzeit genug in der eLearning-Szene, haben doch viele Hochschulen in kürzester Zeit ihren gesamten Lehrbetrieb umstrukturieren müssen.

Die GMW Tagung 2020 als Hybride Konferenz
Für diejenigen, die lieber von Zuhause aus teilnehmen wollten, wurde eine virtuelle Konferenzteilnahme angeboten. Doch das hybride Format stoss auf keine grosse Resonanz. Bei nur zehn Anmeldungen musste der virtuelle Teil gestrichen werden – der administrative Aufwand wäre zu hoch gewesen. Vielleicht ist dies ein Beleg für die von Claude Müller attestierte „Online-Müdigkeit“?
Die Planungen zur Tagung sollten dynamisch bleiben. Es kam zu Absagen durch Hochschulangehörige, denen beispielsweise Dienstreisen ins Ausland untersagt wurden. Keynote-Speaker Lung Hsiang Wong war die Anreise aus Singapur nicht möglich, Marcelo Milrads Urlaubsziel wurde plötzlich zum Risikogebiet mit Quarantänepflicht bei der Einreise in die Schweiz ernannt. Damit die Beiträge trotzdem ihr Publikum finden, wurden die Referierenden per Video-Konferenz zur Präsenztagung nach Winterthur zugeschaltet – eine hybride Veranstaltung mal anders herum.

Keynote von Ellen Rusman im Auditorium

Klein, aber fein!
„Natürlich sind wir uns der Verantwortung bewusst. Es ist es uns wichtig, unseren Teil dazu beizutragen, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.“ ergänzt Jennifer Erlemann aus der Tagungsorganisation, die in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsverantwortlichen der ZHAW ein detailliertes Sicherheitskonzept erarbeitet hat. So wurde ein Programm mit meist drei parallelen Sessions für die 71 Teilnehmer*Innen erstellt. Grosse, gut durchlüftete Räume für kleine Gruppen – immer eine Reihe Abstand zwischen den Zuhörer*Innen. Die Besichtigungstouren durch das Usability-Labor und das Video-Studio fanden in Kleinstgruppen statt. So wurden die Auflagen erfüllt und die Teilnehmenden konnten im kleinen Rahmen unbeschwert zuhören.
Es sei eine „Sehr hübsche Hochschule, kleiner aber feiner Teilnehmerkreis“, resümierte GMW Vorstand Jan Vanvinkenoye die Veranstaltung auf Twitter.



Tour durch das Videostudio

Tour durch das Usability-Labor

Tagungsband

Der Buchband zur Tagung „Seamless Learning – lebenslanges, durchgängiges Lernen ermöglichen“ ist am 31.7.2020 beim Waxmann-Verlag erschienen. Er steht ab sofort per Open-Access zur Verfügung.

Weitere Impressionen

Förderung

Die GMW Tagung 2020 wurde im Rahmen des IBH-Labs «Seamless Learning» ausgetragen. Die IBH-Labs sind auf Initiative der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH) und der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) entstanden und werden aus Mitteln des Interreg V-Programms „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ gefördert.